Babypflege

Schlaftraining für Babys: Ratgeber

Schlaftraining für Babys: Bewährte Methoden, praktische Tipps für guten Schlaf und häufige Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten.

Geprüft von: Whispie-Redaktionsteam Evidenzbasierte Elternforschung

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie bei Fragen zu Ihrem Kind immer Ihren Kinderarzt.

Quellen: WHO, CDC, AAP und NHS. Empfehlungen unterscheiden sich je nach Land — für Deutschland siehe die DGKJ und kindergesundheit-info.de.

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Was ist Schlaftraining – und wo steht es in Deutschland?

Schlaftraining bezeichnet das schrittweise Erlernen des selbstständigen Einschlafens: Das Baby findet ohne Stillen, ohne erneutes Anbieten des Schnullers und ohne Tragen oder Schaukeln in den Schlaf und kann nach den normalen nächtlichen Aufwachphasen allein wieder einschlafen. Davon zu unterscheiden sind die Schlafhygiene – feste Zeiten, ein abgedunkeltes Zimmer, ruhige Geräuschkulisse – und das nächtliche Abstillen. In der Praxis laufen die drei Themen oft zusammen, sie sind aber nicht dasselbe.

Physiologisch liegt dem ein einfacher Befund zugrunde: Säuglinge durchlaufen wie Erwachsene alle 90 bis 120 Minuten einen Schlafzyklus. Erwachsene drehen sich zwischen zwei Zyklen um und schlafen weiter, ohne wach zu werden. Ein Baby, das nur mit einer bestimmten Einschlafhilfe in den Schlaf findet – Brust, Flasche, Bewegung oder die körperliche Nähe eines Elternteils –, meldet sich jedes Mal, wenn es aus einer Leichtschlafphase auftaucht, und verlangt genau diese Hilfe zurück. Die Folge sind zerstückelte Nächte, die innerhalb weniger Wochen zu einer ernsthaften Erschöpfung der Eltern führen können.

An dieser Stelle muss man ehrlich sein: Der Umgang mit Schlaftraining ist kulturell sehr unterschiedlich, und die international meistzitierten Studien stammen aus dem englischsprachigen Raum. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt keine einzelne Methode. Die American Academy of Sleep Medicine stufte in ihren Praxisleitlinien von 2006 (Morgenthaler und Kollegen, Sleep) extinktionsbasierte Verfahren als die am besten belegten ein, und in späteren Untersuchungen hat sich die Sorge vor bleibenden Schäden nicht bestätigt. In den USA gehören diese Methoden ab etwa sechs Monaten zum Standardrepertoire der Kinderheilkunde.

In Deutschland ist die Lage eine andere. Der Ratgeber „Jedes Kind kann schlafen lernen“ hat die Debatte seit den 1990er-Jahren geprägt und wird bis heute kontrovers diskutiert. Das Elternportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kindergesundheit-info.de, rät davon ab, strukturierte Schlafprogramme im ersten Lebensjahr einzusetzen, und nennt frühestens etwa das Ende des ersten Lebensjahres als Zeitpunkt, ab dem ein solches Vorgehen überhaupt in Frage kommt. Viele Kinderärztinnen, Hebammen und Beratungsstellen arbeiten stattdessen beziehungsorientiert: Sie stabilisieren zuerst den Tagesrhythmus, klären körperliche Ursachen ab und begleiten Eltern beim langsamen Ausschleichen der Einschlafhilfen.

Dieser Artikel beschreibt die Methoden so, wie sie in der internationalen Literatur dokumentiert sind – vollständig und ohne Beschönigung –, und sagt an jeder Stelle dazu, wie die jeweilige Methode hierzulande eingeordnet wird. Das Ziel ist nicht, das Bedürfnis eines Babys nach nächtlicher Nähe wegzutrainieren, sondern eine informierte Entscheidung zu ermöglichen, die zu Ihrer Familie und zu den Empfehlungen Ihrer Kinderärztin passt.

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Ist Ihr Baby so weit? Altersfenster und Entwicklungsreife

Das Alter ist der wichtigste einzelne Faktor. Neugeborene und junge Säuglinge können sich neurologisch nicht in einem sinnvollen Sinn selbst beruhigen: Schlafarchitektur, Tag-Nacht-Rhythmus und Magenvolumen sind schlicht noch unreif. Wer vor dem dritten bis vierten Lebensmonat mit Verhaltensmethoden arbeitet, erzeugt Stress ohne Ergebnis.

Unter 3 Monaten: Stillen beziehungsweise Füttern nach Bedarf, prompte Reaktion auf Signale und ein ruhiger Ablauf aus Füttern, Wachphase und Schlafen. Echtes Schlaftraining ist nicht angezeigt. Nächtliches Aufwachen ist biologisch normal und notwendig.

3–4 Monate: Der zirkadiane Rhythmus beginnt sich auszubilden. Jetzt lassen sich verlässliche Wachfenster, ein wiedererkennbares Abendritual und das Hinlegen im müden, aber noch wachen Zustand einführen. Für ein vollständiges Verhaltensprogramm ist es für die meisten Babys deutlich zu früh, aber die Gewohnheiten, die jetzt entstehen, erleichtern alles Spätere.

4–6 Monate: Das früheste Fenster für die sanften Verfahren. Viele Säuglinge sind gesund, gut versorgt und reif genug, um das selbstständige Einschlafen zu lernen. Sprechen Sie den Punkt bei der U4 im dritten bis vierten Monat oder spätestens bei der U5 im sechsten bis siebten Monat in der kinderärztlichen Praxis an und lassen Sie bestätigen, dass Ihr Kind gut gedeiht und keine Erkrankung den Schlaf stört.

Ab 6 Monaten: International gilt dieses Alter als Zeitpunkt, ab dem alle beschriebenen Methoden grundsätzlich in Frage kommen; die extinktionsbasierten Verfahren haben ab hier die beste Datenlage. Beachten Sie aber die deutsche Besonderheit: Die BZgA-Empfehlung setzt strukturierte Programme erst gegen Ende des ersten Lebensjahres an. Zwischen sechs und zwölf Monaten bewegen Sie sich also in einem Bereich, in dem internationale Evidenz und deutsche Elternberatung nicht deckungsgleich sind – ein guter Grund, die Entscheidung nicht allein aus einem Ratgeber zu treffen, sondern mit der Kinderärztin zu besprechen.

Rund um den 8. Monat: Mit der Objektpermanenz entsteht das sogenannte Fremdeln, in der älteren Literatur „Achtmonatsangst“ genannt. Viele Babys schlafen in dieser Phase vorübergehend schlechter, unabhängig davon, ob und wie trainiert wurde. Das ist Entwicklung, nicht Versagen der Methode.

Checkliste vor dem Start: Ihr Baby ist mindestens vier Monate alt – bei Frühgeborenen zählt das korrigierte Alter –, wurde kinderärztlich untersucht, nimmt stetig zu, hat keinen unbehandelten Reflux, keine Mittelohrentzündung und keine anderen Schmerzursachen. Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin sind sich einig und können ein bis zwei Wochen konsequent bleiben. Fehlt einer dieser Punkte, verschieben Sie den Start.

Zuerst der sichere Schlaf: die Empfehlungen für Deutschland

Bevor es um Methoden geht, steht die Sicherheit – und die ist nicht verhandelbar. Die Empfehlungen zur sicheren Schlafumgebung sollen das Risiko für den plötzlichen Säuglingstod senken. Sie gelten unabhängig davon, ob Sie überhaupt trainieren:

Diese Punkte entsprechen den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Elterninitiativen zur Prävention des plötzlichen Säuglingstods; die Hebamme und die kinderärztliche Praxis gehen sie in der Regel bei den ersten U-Untersuchungen mit Ihnen durch.

Für das Schlaftraining heißt das: Es findet immer in dieser Umgebung statt – im eigenen Bett, auf dem Rücken, ohne lose Gegenstände. Nicht auf dem Sofa, nicht in der Wippe, nicht im Autositz und nicht im Elternbett. Dreht sich Ihr Baby während des Trainings selbstständig auf den Bauch, was üblicherweise ab etwa sechs Monaten sicher gelingt, können Sie es in der Regel liegen lassen; entscheidend ist, dass Sie es immer auf dem Rücken hinlegen.

Die Ferber-Methode (graduelle Extinktion)

Die Ferber-Methode, 1985 von Dr. Richard Ferber vom Boston Children's Hospital beschrieben und 2006 überarbeitet, gehört zu den am besten untersuchten Verhaltensinterventionen der Kinderheilkunde. Fachsprachlich heißt sie graduelle Extinktion, im Alltag oft „Check-and-Console“. Im deutschen Sprachraum ist sie unter der Bezeichnung „kontrolliertes Schreienlassen“ bekannt – und genau dieser Name steht im Zentrum der hiesigen Debatte.

So funktioniert sie: Sie etablieren ein gleichbleibendes Abendritual von 20 bis 30 Minuten – Baden, Füttern, ein Buch, ein Lied, was auch immer zu Ihrer Familie passt –, legen das Baby wach ins Bett und verlassen das Zimmer. Weint es, warten Sie ein festgelegtes Intervall, bevor Sie zurückkehren. In der ersten Nacht sind das etwa 3, dann 5, dann 10 Minuten. In jeder folgenden Nacht werden die Intervalle länger. Beim Nachsehen bleiben Sie höchstens ein bis zwei Minuten: ruhig sprechen, kurz streicheln, aber nicht hochnehmen. Der Besuch ist eine Rückversicherung, kein erneutes In-den-Schlaf-Bringen.

Ferbers Intervallschema, sinngemäß:

Die meisten Familien berichten innerhalb von drei bis fünf Nächten von einer deutlichen Verbesserung. Zwei Dinge sind entscheidend: ein verlässliches Ritual davor und der Entschluss, in der ersten Woche nicht mitten in der Nacht abzubrechen. Wer nachgibt, vermittelt dem Baby, dass ausdauerndes Weinen am Ende doch zur alten Lösung führt – der nächste Versuch wird dadurch schwerer.

Datenlage: Mehrere kontrollierte Studien, darunter Price und Kollegen (Pediatrics, 2012 – Cortisol und Bindung im Alter von sechs Jahren) sowie Gradisar und Kollegen (Pediatrics, 2016 – Cortisol und Bindung nach zwölf Monaten), fanden bei so begleiteten Säuglingen keine Unterschiede in Cortisolwerten, Bindungssicherheit oder Verhaltensauffälligkeiten gegenüber Kontrollgruppen.

Einordnung für Deutschland: Diese Studienlage ändert nichts daran, dass die BZgA vom Einsatz solcher Programme im ersten Lebensjahr abrät und viele Beratungsstellen hier andere Wege gehen. Wenn Sie die Methode erwägen, ist der sinnvolle Weg, sie vorher in der kinderärztlichen Praxis anzusprechen, statt sie im Alleingang aus einem Ratgeber umzusetzen.

Vollständige Extinktion (Cry-It-Out)

Vollständige Extinktion – im Englischen „Cry-It-Out“ – bedeutet, das Baby zur Schlafenszeit wach hinzulegen und bis zum Morgen oder bis zu einer vorher festgelegten Mahlzeit nicht zurückzukehren. Es gibt keine Kontrollbesuche. Verbunden wird der Ansatz vor allem mit Dr. Marc Weissbluth; Varianten davon existieren in der kinderärztlichen Literatur seit den 1950er-Jahren.

In der veröffentlichten Forschung ist dies die am schnellsten wirksame Methode – die meisten Studien berichten von einer Lösung innerhalb von drei bis sieben Nächten –, gleichzeitig verursacht sie kurzfristig das längste Weinen, vor allem in den ersten beiden Nächten. Bemerkenswert ist ein Befund, der der Intuition widerspricht: Bei Babys, die durch jeden Kontrollbesuch eher neu angeregt als beruhigt werden, führt die vollständige Extinktion über eine Woche gerechnet manchmal zu insgesamt weniger Weinen als das gestufte Vorgehen.

Zu den langfristigen Folgen ist die Datenlage die gleiche wie bei Ferber. Die Untersuchung von Gradisar und Kollegen aus dem Jahr 2016 verglich graduelle Extinktion, Zubettgeh-Verschiebung und eine Kontrollgruppe mit reiner Schlafberatung direkt miteinander und fand nach zwölf Monaten in allen drei Gruppen vergleichbares kindliches Wohlbefinden und vergleichbare Eltern-Kind-Bindung. Weissbluths Ansatz wird gelegentlich so dargestellt, als sei ihm das Wohl des Kindes gleichgültig; tatsächlich setzt er einen altersgerechten Tagesrhythmus und eine ärztlich bestätigte Gesundheit voraus und gilt ausdrücklich nicht für ein krankes, hungriges oder unsicher untergebrachtes Kind.

Wann sie gegenüber Ferber vorgezogen wird: wenn Ihr Baby sich bei jedem Nachsehen weiter hochschaukelt statt sich zu beruhigen; wenn die Kontrollbesuche seit Wochen ohne Fortschritt laufen; oder wenn beide Eltern eine ununterbrochene Woche zusammen durchhalten können.

Einordnung für Deutschland: Von allen hier beschriebenen Verfahren ist dieses das in Deutschland am wenigsten verbreitete und das am deutlichsten kritisierte. Fachgesellschaften und Elternberatungsstellen empfehlen es im Säuglingsalter praktisch nicht. Es vollständig zu verschweigen wäre unredlich – es steht in der internationalen Literatur und wirkt –, aber es ist hierzulande keine Standardoption, sondern eine Entscheidung, die eine ärztliche Abklärung und ein sehr klares Bild von der eigenen Belastungsgrenze voraussetzt.

Pick-Up-Put-Down (Aufnehmen und Ablegen)

Die Pick-Up-Put-Down-Methode, entwickelt von Tracy Hogg, ist ein durchgehend reagierender Ansatz: Sie legen das Baby wach hin, nehmen es hoch, sobald es weint, halten es, bis es ruhig ist, und legen es wieder ab. Das wiederholen Sie, bis es im eigenen Bett einschläft.

Am besten funktioniert das Verfahren zwischen dem dritten und fünften Monat. Es signalisiert dem Baby ununterbrochene Zuwendung und verschiebt gleichzeitig schrittweise den Ort, an dem es tatsächlich einschläft – von Ihren Armen ins Bett. Bei jungen Säuglingen ohne fest verankerte Einschlafgewohnheiten sind Ergebnisse innerhalb einer Woche realistisch.

Die wesentliche Einschränkung ist das Alter. Ab etwa fünf bis sechs Monaten wirkt das wiederholte Hochnehmen wegen der zunehmenden Objektpermanenz und der klareren Vorlieben häufig eher als Belohnung und Anregung denn als Trost. Familien, die es mit älteren Babys versuchen, berichten oft von stundenlangen Einschlafzyklen, die für Eltern wie Kind belastender sind als ein kurzes gestuftes Vorgehen. Hogg selbst riet dazu, die Methode zu wechseln, sobald sie keine Ergebnisse mehr bringt – ein Hinweis, der in der Diskussion meist untergeht.

Hinzu kommt die körperliche Belastung: Sich über längere Zeit immer wieder über ein Gitterbett zu beugen, ist mit Rückenproblemen kaum durchzuhalten. Und es ist die Methode, die am empfindlichsten auf Inkonsequenz mitten in der Nacht reagiert. Wer nach einer Stunde doch stillt oder in den Schlaf schaukelt, bringt dem Baby bei, dass ausdauerndes Weinen am Ende ein anderes Ergebnis erzeugt – das kann die Einschlafgewohnheiten sogar verschlechtern.

Einordnung für Deutschland: Dieser Ansatz liegt der hier verbreiteten Haltung – prompt reagieren, das Kind nicht allein lassen – am nächsten und wird in Beratungsgesprächen entsprechend häufig empfohlen, gerade im zweiten Lebenshalbjahr allerdings mit dem realistischen Hinweis, dass er dann an Grenzen stößt.

Ausschleichen: Stuhl-Methode und schrittweiser Rückzug

Ausschleichende Verfahren behalten die elterliche Anwesenheit beim Einschlafen bei, reduzieren sie aber systematisch über Tage oder Wochen. Die bekannteste Variante ist der „Sleep Lady Shuffle“ von Kim West, meist Stuhl-Methode genannt: In der ersten Nacht sitzt ein Elternteil auf einem Stuhl direkt neben dem Bett, mit minimalem Körperkontakt – leises Schhh, kurzes Streicheln, kein Hochnehmen. Alle zwei bis drei Tage rückt der Stuhl weiter weg: in die Zimmermitte, dann an die Tür, dann vor die Tür.

Verwandt, aber eigenständig ist das Verschieben der Zubettgehzeit: Sie legen das Baby vorübergehend etwas später hin, nämlich erst bei eindeutigen Müdigkeitszeichen. Das verkürzt die Einschlafzeit und verringert den Protest. Sobald das Einschlafen schnell und verlässlich klappt, ziehen Sie die Zubettgehzeit schrittweise wieder auf die Wunschzeit vor. In der genannten Untersuchung von Gradisar aus dem Jahr 2016 erzielte dieses Vorgehen beim Schlaf vergleichbare Ergebnisse wie die graduelle Extinktion, und die Mütter beider Gruppen berichteten im ersten Monat von einer ähnlichen, kleinen bis mittleren Abnahme ihrer Belastung.

Der Vorteil liegt im deutlich kürzeren anhaltenden Weinen. Die praktischen Nachteile: Es dauert zwei bis vier Wochen statt ein bis zwei; es verlangt, unbeteiligt im Zimmer auszuharren, ohne auf jede Regung einzugehen; und das Einschlafen der Eltern auf dem Stuhl – bei bestehendem Schlafmangel keine Seltenheit – macht den Fortschritt zunichte, weil die elterliche Anwesenheit wieder zur Einschlafbedingung wird.

Als erste Wahl eignet sich das Ausschleichen für Familien, die anhaltendes Weinen nicht aushalten wollen, für Babys mit ausgeprägter Trennungsangst und für alle, die ein extinktionsbasiertes Vorgehen begonnen und abgebrochen haben. Auch bei älteren Kleinkindern zwischen 12 und 24 Monaten wird es häufig empfohlen, weil Kinder in diesem Alter sehr ausdauernd protestieren können.

Einordnung für Deutschland: Von allen Verfahren entspricht dieses am ehesten dem, was Schlafberatungen, Hebammen und Schreiambulanzen hier tatsächlich begleiten. Wer sich an den deutschen Empfehlungen orientieren und trotzdem etwas verändern möchte, findet hier den gangbarsten Weg.

Sanfte Ansätze „ohne Weinen“

Elizabeth Pantleys „No-Cry Sleep Solution“ markiert das sanfteste Ende des Spektrums. Statt die Einschlafhilfe zu einem festgelegten Zeitpunkt wegzunehmen, arbeitet Pantley mit einem behutsamen Lösen von Brust oder Schnuller kurz bevor das Baby vollständig einschläft, kombiniert mit verlässlichen Wachfenstern und einem ausführlichen Abendritual. Über zwei bis vier Wochen lernt das Baby, mit immer weniger Saugkontakt in den Schlaf zu finden.

Wirklich weinfreie Ansätze klingen bestechend, aber die veröffentlichte Datenlage ist dünner als bei den extinktionsbasierten Verfahren. Sie funktionieren am besten in Familien, die noch nicht am Rand der Erschöpfung stehen, deren Baby jünger als sieben Monate ist und die den langsamen Zeitplan ohne Wackeln durchhalten können. Bei einem neun Monate alten Kind, das die ganze Nacht alle zwei Stunden gestillt werden möchte, greifen die sanftesten Methoden selten schnell genug, um die Lage tatsächlich zu entspannen.

Eines sollte man dabei offen aussprechen: Auch „weinfreie“ Methoden kommen nicht ohne Protest aus. Der Unterschied liegt darin, dass der Protest kurz ist und die Eltern darauf eingehen, statt ihn abzuwarten. Keine Verhaltensänderung im Säuglingsalter geschieht ohne jeden Ausdruck von Unmut; die Methoden unterscheiden sich darin, wie viel, wie lange und wie die Eltern reagieren.

Einordnung für Deutschland: Diese bedürfnisorientierten Ansätze prägen den Großteil der deutschsprachigen Elternratgeber und decken sich am ehesten mit dem, was Sie in Beratungsstellen zu hören bekommen. Das macht sie nicht automatisch wirksamer – es macht sie im Alltag hier nur leichter durchzuhalten, weil das Umfeld sie mitträgt.

Die passende Methode finden: ein Entscheidungsrahmen

Es gibt keine allgemein überlegene Methode. Was passt, hängt vom Alter und Temperament Ihres Babys ab, von Ihrer eigenen Belastbarkeit gegenüber Weinen, von der Konsequenz, die Sie realistisch aufbringen können, und von medizinischen Faktoren. Ein praktischer Rahmen:

Baby 4–5 Monate: Pick-Up-Put-Down oder sanftes Ausschleichen. In diesem Alter spricht das Kind gut auf prompte Beruhigung an, und extinktionsbasierte Verfahren sind für die meisten Familien zu früh.

Baby 6–9 Monate, moderates Weinen ist für Sie tragbar: Die graduelle Extinktion hat die beste Datenlage und wirkt meist in drei bis sieben Nächten. Beachten Sie dabei die deutsche Empfehlung, in diesem Alter noch zurückhaltend zu sein, und klären Sie den Schritt kinderärztlich ab.

Baby ab 6 Monaten, Kontrollbesuche verschlimmern alles: Vollständige Extinktion. Manche Babys schaukeln sich bei jedem Wiedereintritt der Eltern weiter hoch; für sie kann das Weglassen der Besuche über eine Woche gerechnet weniger Belastung bedeuten – eine Entscheidung, die in Deutschland deutlich außerhalb des Üblichen liegt und entsprechend gut überlegt sein will.

Anhaltendes Weinen kommt für Sie nicht in Frage: Stuhl-Methode oder Verschieben der Zubettgehzeit. Planen Sie zwei bis vier Wochen ein und halten Sie den Plan streng durch – diese Verfahren scheitern an Inkonsequenz, nicht am Ansatz.

Unabhängig von der Methode gilt dasselbe Fundament: ein vorhersehbarer Tagesablauf mit altersgerechten Wachfenstern, ein gleichbleibendes, beruhigendes Abendritual von 20 bis 30 Minuten (Baden, Füttern, Buch, Lied), eine schlaffreundliche Umgebung mit abgedunkeltem Zimmer, gleichmäßiger Geräuschkulisse und etwa 18 Grad Raumtemperatur – und das Hinlegen im wachen Zustand.

Wann Sie sich Unterstützung holen: Wenn Sie eine Methode zwei Wochen konsequent durchgehalten haben und sich nichts bessert, wenn ein medizinischer Faktor den Schlaf beeinflusst oder wenn Ihre eigene psychische Verfassung leidet. Anlaufstellen sind die kinderärztliche Praxis – der Schlaf lässt sich gut bei der nächsten U-Untersuchung ansprechen –, Ihre Hebamme, eine qualifizierte Schlafberatung sowie die Schreiambulanzen und Eltern-Baby-Sprechstunden, die es an vielen Kliniken und Beratungsstellen gibt. Über die Frühen Hilfen sind solche Angebote in vielen Kommunen kostenfrei zugänglich. Anhaltende Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, gehören ärztlich abgeklärt und nicht ausgesessen.

Häufige Fehler, die das Schlaftraining scheitern lassen

Auch Familien, die eine passende Methode gewählt haben, kommen manchmal nicht weiter – meist wegen vermeidbarer Umsetzungsfehler. Das sind die häufigsten:

Nächtliches Abstillen und Schlaftraining zusammen

Das nächtliche Abstillen – das Reduzieren oder Weglassen der Mahlzeiten in der Nacht – hängt mit dem Schlaftraining zusammen, ist aber etwas anderes. Ein Baby kann selbstständig einschlafen lernen und trotzdem ein bis zwei sinnvolle Nachtmahlzeiten bekommen; umgekehrt kann es nachts abgestillt werden, ohne dass je formal trainiert wurde. In der Praxis werden beide Themen oft gemeinsam angegangen, weil dieselbe Mahlzeit, die mit drei Monaten ernährungsphysiologisch nötig war, mit neun Monaten häufig zur Einschlafgewohnheit geworden ist.

Bevor Sie Nachtmahlzeiten reduzieren, lassen Sie kinderärztlich bestätigen, dass Ihr Kind gut gedeiht und ernährungsphysiologisch so weit ist; der Gewichtsverlauf im Kinderuntersuchungsheft ist dafür der beste Anhaltspunkt. Als grobe Orientierung: Mit sechs Monaten kommen die meisten gesunden, reif geborenen Babys, die mit Beikost begonnen haben, mit einer einzigen Nachtmahlzeit oder ganz ohne aus. Mit neun bis zwölf Monaten brauchen die meisten aus ernährungsphysiologischer Sicht keine Nachtmahlzeit mehr – ob Sie zur Beruhigung weiterstillen möchten, ist eine davon unabhängige Entscheidung, die vor dem Schlaftraining nicht geklärt sein muss.

Übliche Wege: die Dauer oder Menge der Nachtmahlzeiten über fünf bis sieben Tage schrittweise verringern, unabhängig davon, ob gestillt oder mit der Flasche gefüttert wird; die letzte Mahlzeit als Traummahlzeit direkt vor den Beginn des Trainingsfensters legen; oder die Nachtmahlzeiten gemeinsam mit dem Start der Methode weglassen. Welcher Weg passt, hängt vom Alter, von der Gewichtsentwicklung, von der bisherigen Ernährung und von Ihren eigenen Vorstellungen ab. Bei Stillenden lohnt es sich, das Vorgehen vorher mit der Hebamme oder einer Stillberaterin zu besprechen – ein zu schnelles Reduzieren nachts kann zu Milchstau führen und ist auch für Sie unangenehm.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Alter kann ich mit Schlaftraining beginnen?

Hier gehen die internationale und die deutsche Empfehlung auseinander, und das sollten Sie wissen, bevor Sie anfangen. Studien zu strukturierten Schlafprogrammen arbeiten überwiegend mit Kindern ab etwa sechs Monaten, weil vorher weder der Schlaf-Wach-Rhythmus noch die Fähigkeit zur Selbstberuhigung ausgereift sind. Das Elternportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kindergesundheit-info.de, geht weiter und rät von solchen Programmen im gesamten ersten Lebensjahr ab; als frühesten Zeitpunkt nennt es etwa das Ende des ersten Lebensjahres. Wenn Sie über Schlaftraining nachdenken, sprechen Sie es bei der nächsten U-Untersuchung an oder mit Ihrer Hebamme, statt sich an einem Alter aus einem englischsprachigen Ratgeber zu orientieren.

Ist die Ferber-Methode sicher, oder schadet sie meinem Kind emotional?

Die kontrollierten Studien, die es dazu gibt, haben weder kurzfristig noch in der Nachbeobachtung Hinweise auf Schäden gefunden: untersucht wurden unter anderem Stresshormonwerte, Bindungsverhalten und emotionale Auffälligkeiten, und die am häufigsten zitierte Nachuntersuchung fand auch Jahre später keine Unterschiede zu Kindern ohne Schlaftraining. Diese Studien betreffen allerdings Kinder ab etwa sechs Monaten, gesunde Kinder, und eine Anwendung über wenige Wochen. Sie sagen nichts über jüngere Säuglinge und nichts über wochenlanges Weinenlassen aus. In Deutschland bleibt der Fachdiskurs zurückhaltender als in den USA, und das ist eine legitime Position und kein Informationsdefizit. Wenn Ihnen die Methode widerstrebt, gibt es sanftere Wege, die ebenfalls funktionieren, nur langsamer.

Was ist der Unterschied zwischen der Ferber-Methode und vollständiger Extinktion?

Beide Verfahren lassen das Kind allein einschlafen, sie unterscheiden sich nur darin, ob Sie zwischendurch noch einmal ins Zimmer gehen. Bei der Ferber-Methode, der graduellen Extinktion, kehren Sie nach festgelegten und von Mal zu Mal länger werdenden Abständen kurz zurück, um zu zeigen, dass Sie da sind, ohne das Kind aus dem Bett zu nehmen. Bei der vollständigen Extinktion gehen Sie nach dem Gutenachtsagen bis zum Morgen oder bis zu einer vereinbarten Mahlzeit nicht mehr hinein. Die vollständige Variante wirkt in Studien etwas schneller, ist für die meisten Eltern aber schwer durchzuhalten, und wer sie nach zwei Nächten abbricht, hat für das Kind nur Verwirrung erzeugt. Die abgestufte Variante ist deshalb in der Praxis fast immer die vernünftigere Wahl.

Was bedeutet es überhaupt, wenn ein Kind durchschläft?

Nicht, dass es nachts nicht mehr aufwacht. Jeder Mensch wacht zwischen den Schlafzyklen kurz auf, Säuglinge häufiger als Erwachsene, und daran ändert kein Training etwas. Der Unterschied besteht darin, ob das Kind bei so einem kurzen Erwachen von selbst wieder wegdämmert oder ob es dafür getragen, gestillt oder geschaukelt werden muss. In der Schlafforschung wird Durchschlafen üblicherweise als ein zusammenhängender Abschnitt von etwa sechs Stunden definiert, nicht als eine ganze Nacht. Das ist ein deutlich realistischeres Ziel als das, was auf dem Spielplatz erzählt wird.

Hören durch Schlaftraining die nächtlichen Mahlzeiten auf?

Nicht automatisch, und das ist auch nicht der Zweck. Schlaftraining betrifft die Art des Einschlafens, nicht den Nährstoffbedarf. Im ersten Halbjahr brauchen die meisten Kinder nachts noch Nahrung, und manche darüber hinaus. Nächtliches Abstillen ist eine eigene Entscheidung, die sich an Gewicht, Gedeihen und Tagesmenge orientiert und nicht am Kalender. Besprechen Sie das mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, bevor Sie Mahlzeiten streichen, besonders wenn Ihr Kind leicht für sein Alter ist oder gerade einen Wachstumsschub hat. Wer beides gleichzeitig beginnt, weiß hinterher nicht, was gewirkt hat und was das Kind belastet hat.

Was ist die Methode des Ausschleichens?

Beim Ausschleichen ziehen Sie sich schrittweise zurück, statt auf einmal zu gehen. In der bekanntesten Form, der Stuhl-Methode, sitzen Sie zunächst neben dem Bett, bis Ihr Kind eingeschlafen ist, und rücken den Stuhl alle paar Nächte ein Stück weiter Richtung Tür, bis Sie schließlich außerhalb des Zimmers sitzen. Es wird dabei in der Regel deutlich weniger geweint als bei den Methoden mit Verlassen des Zimmers, dafür dauert es länger, meist zwei bis vier Wochen statt einer. Für Eltern, die das Weinen nicht aushalten oder aus Überzeugung nicht weggehen wollen, ist das der gangbarste Weg, und er passt auch besser zu dem, was Ihnen eine Schlafberatung hierzulande vermutlich empfehlen wird.

Mein Baby weint, sobald ich das Zimmer verlasse. Ist das normal?

Ja, und in den ersten Nächten ist genau das zu erwarten. In dem Alter, in dem Schlaftraining überhaupt zur Debatte steht, beginnt ein Kind zu verstehen, dass Sie weiterexistieren, wenn Sie aus dem Blickfeld verschwinden, und dieses neue Verständnis macht das Weggehen erst zu etwas, wogegen sich protestieren lässt. Beurteilen Sie nicht die einzelne Nacht, sondern die Linie über drei bis fünf Nächte: Wird das Weinen kürzer und weniger heftig, greift das Vorgehen. Wird es nach einer Woche heftiger, oder ist Ihr Kind tagsüber untröstlich oder anders als sonst, brechen Sie ab und lassen Sie es anschauen. Meist steckt dann etwas anderes dahinter, von einer Mittelohrentzündung bis zu durchbrechenden Zähnen.

Sollte ich Schlaftraining machen, wenn mein Kind Reflux oder eine Erkrankung hat?

Erst die Ursache behandeln, dann über Schlaf reden. Ein Kind, das Schmerzen hat, schlecht Luft bekommt oder nicht ausreichend zunimmt, wacht aus einem Grund auf, und dieser Grund verschwindet durch keine Methode. Bei Reflux, Kuhmilcheiweißallergie, Neurodermitis mit nächtlichem Juckreiz, obstruktiver Schlafapnoe oder Gedeihstörung gehört zuerst eine ärztliche Abklärung dazu. Schlaftraining bei einer unbehandelten Beschwerde ist nicht nur wirkungslos, es ist dem Kind gegenüber unfair. Ist die Beschwerde eingestellt, gelten dieselben Methoden wie bei jedem anderen Kind, oft nur mit etwas mehr Geduld.

Funktioniert Aufnehmen und Ablegen wirklich?

Bei jüngeren Säuglingen, etwa bis zum vierten oder fünften Monat, funktioniert es passabel: Sie nehmen das Kind hoch, bis das Weinen aufhört, legen es sofort wieder ab und wiederholen das, so oft es nötig ist. Bei älteren Kindern läuft es häufig ins Leere, weil das Hochnehmen dann eher anregt als beruhigt und manche Kinder durch das ständige Auf und Ab aufgedrehter werden statt ruhiger. Die Studienlage ist außerdem dünner als bei der graduellen Extinktion. Als erster Versuch ist die Methode vertretbar, aber behandeln Sie sie als etwas, das Sie eine Woche ausprobieren, nicht als etwas, das Sie wochenlang durchziehen, während niemand im Haus schläft.

Wie lange dauert Schlaftraining?

Bei den Extinktionsverfahren sehen die meisten Familien innerhalb von drei bis sieben Nächten eine deutliche Veränderung, wobei die zweite oder dritte Nacht oft schlechter ist als die erste; das ist ein bekanntes Muster und kein Zeichen des Scheiterns. Beim Ausschleichen und den sanften Ansätzen rechnen Sie eher mit zwei bis vier Wochen. In beiden Fällen ist das Ergebnis nicht dauerhaft in dem Sinne, dass Sie es nie wieder anfassen müssen: Infekte, Zahnen, Urlaube, Umzüge und Entwicklungsschübe werfen den Schlaf zurück, und dann wiederholen Sie das Vorgehen, was beim zweiten Mal fast immer schneller geht als beim ersten.

Hilft weißes Rauschen beim Schlaftraining?

Es kann helfen, vor allem um Geräusche aus der übrigen Wohnung zu überdecken, in einer hellhörigen Wohnung oder wenn ein Geschwisterkind da ist. Müde macht es nicht, und ein Einschlafproblem löst es nicht, erwarten Sie also keine Methode davon. Halten Sie die Lautstärke niedrig und stellen Sie das Gerät nicht ans oder ins Bett, sondern auf die andere Seite des Zimmers, denn die meisten dieser Geräte können auf höchster Stufe deutlich lauter, als man ein Kind eine ganze Nacht lang beschallen möchte. Wenn Sie es nutzen, nutzen Sie es jeden Abend gleich, damit es Teil der immer gleichen Abendroutine wird.

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