Babypflege

Babymassage: Techniken und Vorteile

Die körperlichen und emotionalen Vorteile der Babymassage, Anleitung zur Anwendung und evidenzbasierte Tipps für eine positive Massageerfahrung.

Geprüft von: Whispie-Redaktionsteam Evidenzbasierte Elternforschung

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie bei Fragen zu Ihrem Kind immer Ihren Kinderarzt.

Quellen: WHO, CDC, AAP und NHS. Empfehlungen unterscheiden sich je nach Land — für Deutschland siehe die DGKJ und kindergesundheit-info.de.

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Was die Forschung über Babymassage sagt

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Babymassage begann auf einer Frühgeborenenstation. In einer 1986 in der Fachzeitschrift Pediatrics veröffentlichten Untersuchung von Tiffany Field und Kolleginnen erhielten Frühgeborene dreimal täglich eine etwa fünfzehnminütige Einheit aus sanfter Berührung und passiver Bewegung. Diese Kinder nahmen schneller an Gewicht zu und konnten die Klinik früher verlassen als die Vergleichsgruppe. Der Befund wurde seither in weiteren Kliniken bestätigt und gehört bis heute zu den am besten abgesicherten Ergebnissen dieses Forschungsfeldes.

Bei reif geborenen, gesunden Babys ist die Datenlage deutlich weniger eindeutig, und es lohnt sich, das offen zu sagen. Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration kommen zu dem Schluss, dass die beobachteten Effekte eher bescheiden ausfallen und die Qualität der zugrunde liegenden Studien überwiegend niedrig bis mittel ist. Kleine Stichproben, kurze Beobachtungszeiträume und sehr unterschiedliche Techniken erschweren den Vergleich: Als Babymassage wird in der Forschung mal leichtes Streichen bezeichnet, mal spürbar festerer Druck. Belegt ist also nicht der Satz „Massage bewirkt X“. Belegt sind begrenzte, aber ermutigende Hinweise in mehreren Bereichen.

Für ein gesundes Baby, das die Berührung annimmt, ist das Risiko praktisch null, und der Nutzen zeigt sich – wenn auch in bescheidener Größenordnung – in voneinander unabhängigen Untersuchungen. Wer die Babymassage als angenehmen, verlässlichen Teil des Tages versteht und nicht als Behandlung mit garantierter Wirkung, hat die Erwartung richtig gesetzt.

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Wie Massage den Schlaf unterstützen kann

Ruhige, rhythmische Berührung senkt den Kortisolspiegel und fördert die Ausschüttung von Oxytocin und Serotonin. Serotonin ist die direkte Vorstufe von Melatonin, dem Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Die Verbindung zwischen Massage und Schlaf ist damit körperlich plausibel und kein reiner Elternmythos. Die Studien dazu sind allerdings klein, und die gemessenen Unterschiede bewegen sich meist im Bereich von Minuten, nicht von Stunden.

Praktisch heißt das: Setzen Sie die Massage als vorletzten Schritt in den Abendablauf, nach dem Baden und vor der letzten Mahlzeit oder dem Hinlegen. Ein großer Teil der Wirkung liegt in der Wiederholung. Nach einigen Wochen wird die Massage selbst zum Signal – Ihr Baby erkennt an den ersten Griffen, dass der Tag zu Ende geht. Fünf bis zehn Minuten langsame Streichungen an Beinen und Rücken reichen dafür aus. Die meisten Kinder zeigen ab der achten bis zehnten Lebenswoche eine sichtbare Entspannungsreaktion. An Abenden, an denen nichts davon zu wirken scheint, machen Sie trotzdem weiter: Die Regelmäßigkeit über Wochen zählt mehr als jede einzelne Sitzung.

Wichtig ist die Erwartungshaltung. Babymassage ist kein Mittel gegen Schlafprobleme und ersetzt weder eine sichere Schlafumgebung noch die Abklärung in der Kinderarztpraxis, wenn Ihr Baby dauerhaft schlecht schläft oder auffallend viel weint. Sie wirkt als eines von mehreren verlässlichen Elementen des Abends – nicht als Notmaßnahme in der schlimmsten Nacht.

Babymassage und die Eltern-Kind-Bindung

Sichere Bindung entsteht nicht in einem großen Moment, sondern in tausenden kleinen: Das Baby sendet ein Signal, jemand bemerkt es und antwortet darauf. Die Massage ist eine der wenigen Alltagssituationen, in denen dieser Kreislauf bewusst und ohne Nebenbeschäftigung abläuft. Sie sitzen einander zugewandt, die Hände sind beschäftigt, das Telefon liegt weg, und jede Regung Ihres Kindes verlangt sofort eine Antwort. Genau das beschreibt die Bindungsforschung als feinfühliges Verhalten – und genau das lässt sich üben.

Mehrere Untersuchungen haben Massagekurse bei Müttern mit depressiver Verstimmung nach der Geburt begleitet und über ein besseres Befinden berichtet. Die Studien sind klein und nicht verblindet; ein sauberer Wirksamkeitsnachweis ist das nicht. Plausibel sind zwei Erklärungen: Körperkontakt setzt Oxytocin frei, und ein Kurs gibt in einer unsicheren Zeit eine konkrete, erlernbare Handlung an die Hand. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit ersetzt die Massage keine Behandlung – sprechen Sie Ihre Hebamme, Ihre Frauenärztin oder Ihre Hausarztpraxis an, auch Monate nach der Geburt.

Für Väter und andere nicht gebärende Bezugspersonen ist die Massage besonders wertvoll. Sie ist einer der wenigen frühen Zugänge zum Kind, der weder vom Stillen noch von der körperlichen Erholung nach der Geburt abhängt. Wer sein Baby regelmäßig massiert, liest dessen Signale schneller und traut sich mehr zu. Genau das beschrieb die Forschungsgruppe um Tiffany Field bei Vätern, die ihr Kind einen Monat lang täglich massierten.

Techniken nach Alter

Was mit drei Wochen passt, passt mit fünf Monaten nicht mehr. Entwicklungsstand, Muskeltonus und Aufmerksamkeitsspanne bestimmen, was Ihrem Baby guttut und was es überfordert.

Neugeborenes bis 6 Wochen

Haut-zu-Haut-Kontakt ist von Geburt an möglich und selbst schon eine wirksame Form der Berührung. Mit der Massage mit Öl warten Sie, bis der Nabelschnurrest abgefallen und die Haut vollständig verheilt ist. Halten Sie die ersten Einheiten sehr kurz, höchstens fünf Minuten, und bleiben Sie bei langen, leichten Streichungen an Beinen und Füßen; ein großer Teil der Zeit darf aus Blickkontakt und Sprechen bestehen. Das Ziel ist jetzt nicht die Technik, sondern die Erfahrung: Berührung ist sicher und vorhersehbar. Bei der U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche können Sie das Thema in der Kinderarztpraxis ansprechen, besonders wenn Ihr Kind zu früh geboren wurde.

6 Wochen bis 3 Monate

Das ist das ideale Zeitfenster, um eine Routine aufzubauen: Die meisten Babys sind wach genug, um sich einzulassen, und ihr Tagesablauf wird berechenbarer. Beginnen Sie an den Beinen – dort wird Berührung am ehesten angenommen – und gehen Sie dann zu Füßen, Bauch, Brust, Armen und Rücken über. Bewährt hat sich das Vorgehen, das in Kursen als „um Erlaubnis fragen“ vermittelt wird: Wärmen Sie wenige Tropfen Öl zwischen den Handflächen und halten Sie die offenen Hände nahe an die Füße Ihres Babys. Strampelt es Ihnen entgegen oder bleibt ruhig und zugewandt, können Sie beginnen. Jeder Griff sollte langsam, gleichmäßig und leicht bis mittelstark sein, niemals tiefes Kneten. Zehn bis fünfzehn Minuten sind ein guter Rahmen – die Dauer, mit der auch die meisten Studien gearbeitet haben.

3 bis 6 Monate

In diesem Alter wird die Massage zum echten Wechselspiel, weil Ihr Baby aktiv antwortet. Jetzt können Sie sanfte Bewegungsübungen ergänzen: Fahrradbewegungen mit den Beinen bei Blähungen, leichtes Kreuzen der Arme vor der Brust. Auch die bekannte Streichfolge über den Bauch lohnt sich nun. Zeichnen Sie mit zwei Fingern ein „I“ an der linken Bauchseite nach unten, dann ein seitenverkehrtes „L“ quer über den Oberbauch und an der linken Seite hinunter, schließlich ein umgedrehtes „U“ von der rechten Seite hinauf, quer und links wieder hinunter. Diese Linien folgen dem Verlauf des Dickdarms. Streichen Sie am Bauch grundsätzlich im Uhrzeigersinn: Die Gegenrichtung arbeitet gegen die natürliche Darmbewegung.

6 bis 12 Monate

Ältere Babys sind zappelig und schnell abgelenkt. Begleiten Sie deshalb jeden Griff mit Worten, halten Sie Blickkontakt, singen Sie. Jetzt können Sie das Gesicht einbeziehen: kleine Kreise auf der Kopfhaut, Streichungen von der Mitte der Stirn nach außen, sanfte Kreise auf den Wangen. Manche Kinder lieben das, andere empfinden Berührung im Gesicht als zu viel – beobachten Sie genau. Die Rückenmassage in Bauchlage wird in diesem Alter oft besonders gern angenommen. Wenn Ihr Baby sich mitten in der Sitzung wegdreht, arbeiten Sie lieber in kurzen Einheiten von fünf bis acht Minuten, statt auf einer langen Sitzung zu bestehen.

Das richtige Öl auswählen

Die Ölwahl ist wichtiger, als die meisten Ratgeber zugeben. Die Hautbarriere eines Neugeborenen ist in den ersten Monaten noch unreif, und manche Öle machen sie zusätzlich durchlässig: Der Wasserverlust über die Haut steigt, die Haut reagiert mit der Zeit empfindlicher. Öl ist nicht zwingend nötig, verringert aber die Reibung. Wenige Tropfen genügen; die Haut soll gleitfähig, nicht fettig sein.

Besonders viel diskutiert wird Olivenöl. In vielen Familien ist es traditionell in Gebrauch, gilt heute aber nicht mehr als erste Wahl. Untersuchungen zur Wirkung von Oliven- und Sonnenblumenöl auf die Hautbarriere – unter anderem eine Arbeit von Danby und Kolleginnen aus dem Jahr 2013 – fanden Hinweise darauf, dass Olivenöl die Barriere stärker beeinträchtigt als Sonnenblumenöl. Diese Studie wurde an Erwachsenenhaut durchgeführt und auf die Neugeborenenpflege übertragen; ein endgültiger Beweis ist sie nicht, sie hat die Empfehlungen aber spürbar verschoben.

Nach heutigem Stand eher geeignet: kaltgepresstes, parfümfreies Sonnenblumenöl in Lebensmittelqualität, medizinisches Paraffinöl aus der Apotheke sowie raffiniertes oder fraktioniertes Kokosöl, das viele Familien gut vertragen. Alle Produkte sollten frei von Duftstoffen und Zusätzen sein.

Eher meiden: Olivenöl; Nussöle wie Mandel- oder Erdnussöl, vor allem wenn es in der Familie Allergien, Asthma oder Neurodermitis gibt; Senföl; Massageöle mit Duftstoffen oder Konservierungsmitteln. Ätherische Öle gehören im ersten halben Jahr grundsätzlich nicht auf Babyhaut, auch nicht in Mischungen, die als babygeeignet verkauft werden.

Testen Sie jedes neue Öl 24 Stunden vorher an einer kleinen Stelle an der Innenseite des Unterarms und schauen Sie, ob die Haut rot wird. Wenn Ihr Kind Neurodermitis hat, klären Sie in der Kinderarztpraxis, ob die verordnete Basispflege gleichzeitig als Massagemittel dienen kann – das ist oft die einfachste und sicherste Lösung.

Was die IAIM-Zertifizierung bedeutet

Die International Association of Infant Massage (IAIM) wurde 1981 von Vimala McClure gegründet, die indische Massagetraditionen aufgriff, die sie bei der Arbeit mit Waisenkindern in Indien kennengelernt hatte. Die IAIM ist heute der größte international anerkannte Verband für Babymassage-Ausbildung mit zertifizierten Kursleitungen in mehr als 40 Ländern.

Eine zertifizierte Kursleitung hat eine formale Ausbildung durchlaufen: die vollständige Griffabfolge, Grundlagen der kindlichen Entwicklung, das Lesen von Babysignalen, Anpassungen für Frühgeborene und Kinder mit Behinderung sowie einen verbindlichen Ethikkodex. Ein Kurs läuft meist über vier bis fünf Termine, jeder widmet sich einer Körperregion. Die Gruppe selbst ist Teil des Nutzens: Der Austausch mit anderen Eltern in derselben Lebensphase wird oft als das Wertvollste am Kurs beschrieben.

In Deutschland werden Babymassage-Kurse häufig von Hebammen, Familienbildungsstätten, Volkshochschulen und Kinderarztpraxen angeboten – nicht alle nach IAIM-Methode, und das ist kein Qualitätsmangel. Fragen Sie Ihre Hebamme oder bei der U3 beziehungsweise U4 nach Angeboten in Ihrer Nähe. Manche Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten von Präventionskursen; das lohnt eine kurze Nachfrage, bevor Sie einen privaten Kurs bezahlen.

Entscheidend ist: Sie brauchen keine Zertifizierung, um Ihr eigenes Baby sicher zu massieren – in vielen Ländern geben Familien die Griffe seit Generationen ohne jeden Kurs weiter. Ein Kurs lohnt sich vor allem, wenn Ihr Kind zu früh geboren wurde, eine komplexe Vorgeschichte hat oder Sie mit anhaltenden Koliken und Unsicherheit kämpfen. Dort kann eine erfahrene Kursleitung anpassen, was ein allgemeiner Text nicht leisten kann.

Wann Sie Ihr Baby nicht massieren sollten

Zu wissen, wann man aufhört oder gar nicht erst anfängt, ist genauso wichtig wie die Technik. In folgenden Situationen sollten Sie auf die Massage verzichten oder vorher ärztlichen Rat einholen:

Der wichtigste Grundsatz kommt aus der IAIM-Lehre und ist keine Metapher: Sie holen sich vor jeder Sitzung die Erlaubnis Ihres Babys. Ob es sich Ihren Händen zuwendet, sich entspannt und Sie ansieht, ist eine echte Voruntersuchung – und ein Nein ist ein Nein, auch ohne Worte.

Die Signale Ihres Babys lesen

Die Fähigkeit, die nonverbalen Signale des eigenen Kindes zu lesen, ist vermutlich der größte Gewinn der Babymassage – und sie wirkt weit darüber hinaus. Dieselben Zeichen, die Ihr Baby auf der Wickelunterlage sendet, sendet es beim Füttern, beim Baden und im Spiel. Wer sie in der ruhigen Situation der Massage übt, versteht sein Kind auch im hektischen Alltag schneller.

Signale für „weitermachen“:

Signale für „Pause“ oder „Stopp“:

Wenn Abwehrsignale auftreten, nehmen Sie die Hände nicht weg, sondern lassen Sie sie ruhig liegen und warten Sie 20 bis 30 Sekunden. Wendet sich Ihr Baby wieder zu, machen Sie mit leichterem Druck oder an einer anderen Körperstelle weiter. Bleibt es abweisend, beenden Sie die Sitzung. Aufhören, wenn darum gebeten wird, ist kein Scheitern – es ist der wichtigste Beitrag dazu, dass Ihr Kind Berührung mit Sicherheit verbindet und nicht mit Überforderung.

Schritt für Schritt: eine einfache Sitzung

Die folgende Reihenfolge orientiert sich an den IAIM-Grundsätzen und eignet sich für Babys ab etwa sechs Wochen, die schrittweise an die Massage herangeführt wurden.

  1. Umgebung vorbereiten. Ein warmer Raum von mindestens 22 °C, ein weiches, sauberes Handtuch auf einer festen Unterlage – eine Wickelauflage auf dem Boden eignet sich gut. Hände waschen, Ringe und Armbänder ablegen, wenige Tropfen Öl zwischen den Handflächen erwärmen.
  2. Um Erlaubnis bitten. Halten Sie die offenen, geölten Hände nahe an die Füße Ihres Babys und suchen Sie den Blickkontakt. Sprechen Sie ruhig: „Wollen wir eine Massage machen?“ Warten Sie auf ein zugewandtes Signal, bevor Sie beginnen.
  3. Beine und Füße. Beginnen Sie mit langen Streichungen von der Hüfte zum Fuß. Danach sanftes Umfassen und Rollen von Oberschenkel und Wade, dann der Fuß. Streichen Sie mit den Daumen die Fußsohle von der Ferse zu den Zehen aus. Wiederholen Sie jeden Griff drei- bis viermal.
  4. Bauch. Mit ein oder zwei Fingern im Uhrzeigersinn um den Nabel kreisen. Nur leichter, gleichmäßiger Druck, nie auf vollen Magen. Wenn Ihr Baby es mag, ergänzen Sie die Streichfolge über den Dickdarmverlauf.
  5. Brust. Legen Sie die offenen Handflächen in die Mitte des Brustkorbs und streichen Sie nach außen zu den Schultern, als würden Sie ein Buch aufschlagen. Anschließend von der Mitte nach unten in Richtung Hüften.
  6. Arme und Hände. Von der Schulter zum Handgelenk streichen, den Unterarm sanft rollen, mit dem Daumen die Handinnenfläche ausstreichen. Eine geschlossene Faust dürfen Sie behutsam öffnen, aber niemals mit Kraft.
  7. Gesicht, wenn gewünscht. Von der Mitte der Stirn nach außen zu den Schläfen streichen, über die Augenbrauen nach außen, kleine Kreise auf der Kopfhaut. Beim kleinsten Abwehrsignal überspringen Sie diesen Schritt.
  8. Rücken. Drehen Sie Ihr Baby auf den Bauch. Lange Streichungen vom Nacken bis zum Po, links und rechts neben der Wirbelsäule, nie auf der Wirbelsäule selbst. Zum Abschluss einige sehr langsame, weite Streichungen über den ganzen Rücken – das kündigt das Ende an.
  9. Sitzung abschließen. Wickeln Sie Ihr Baby in ein warmes Handtuch oder ziehen Sie es an, halten Sie den Blickkontakt und sprechen Sie ruhig weiter. Jetzt ist ein guter Moment zum Stillen oder Füttern, zum Kuscheln oder für den nächsten Schritt im Abendablauf.

Gesamtdauer: zehn bis fünfzehn Minuten bei einem Baby, das gut mitmacht. Das Tempo gibt Ihr Kind vor. Eine Sitzung, die nur aus Beinen und Bauch besteht, ist vollständig – nicht halb.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann darf ich mein Neugeborenes massieren?

Sanfte Berührung und Haut-zu-Haut-Kontakt sind ab der Geburt möglich und tun Ihrem Baby gut. Mit der eigentlichen Massage mit Öl warten Sie, bis der Nabelschnurrest abgefallen und die Haut vollständig verheilt ist – das ist meist zwischen der vierten und sechsten Lebenswoche der Fall. Zu diesem Zeitpunkt kann Ihr Baby längere Berührung auch neurologisch besser verarbeiten. Frühgeborene profitieren ebenfalls, sollten aber nur nach Rücksprache mit dem Team der Neugeborenenstation oder unter Anleitung einer erfahrenen Kursleitung massiert werden, weil sich Druck, Dauer und Reihenfolge deutlich unterscheiden. Bei der U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche können Sie das Thema in der Kinderarztpraxis ansprechen.

Wie lange sollte eine Massage dauern?

In den meisten Studien wurden Einheiten von zehn bis fünfzehn Minuten verwendet, und das ist auch für zu Hause ein guter Rahmen. Neugeborene halten oft nur fünf bis sieben Minuten durch, und das ist völlig in Ordnung. Mit wachsender Gewöhnung und längerer Aufmerksamkeitsspanne können Sie schrittweise verlängern. Die wichtigste Regel bleibt: Die Signale Ihres Babys bestimmen die Dauer, nicht die Uhr. Dreht es den Kopf weg, streckt es den Rücken durch oder beginnt es zu weinen, ist die Sitzung beendet – auch wenn erst drei Minuten vergangen sind. Eine kurze, angenehme Massage ist mehr wert als eine lange, die durchgezogen wurde.

Welches Öl ist für die Babymassage am besten?

Am ehesten geeignet ist ein kaltgepresstes, parfümfreies Öl in Lebensmittelqualität. Sonnenblumenöl gilt derzeit als die beste untersuchte Wahl; medizinisches Paraffinöl aus der Apotheke und raffiniertes oder fraktioniertes Kokosöl werden ebenfalls gut vertragen. Von Olivenöl wird inzwischen abgeraten, obwohl es traditionell weit verbreitet ist: Untersuchungen zur Hautbarriere, unter anderem eine Arbeit von Danby und Kolleginnen aus dem Jahr 2013, fanden Hinweise darauf, dass es die Barriere stärker beeinträchtigt als Sonnenblumenöl. Nussöle wie Mandel- oder Erdnussöl bergen ein Allergierisiko, besonders bei familiärer Vorbelastung. Testen Sie jedes neue Öl 24 Stunden vorher an einer kleinen Stelle am Unterarm, und verzichten Sie im ersten halben Jahr vollständig auf ätherische Öle.

Verbessert Babymassage den Schlaf wirklich?

Die Hinweise sind ermutigend, aber begrenzt. Mehrere Studien beschreiben bei Babys unter sechs Monaten eine etwas längere Schlafdauer und ein leichteres Einschlafen, wenn die Massage fester Bestandteil des Abendablaufs ist. Als Erklärung gilt, dass Berührung Kortisol senkt und die Serotoninausschüttung fördert – Serotonin ist die Vorstufe von Melatonin. Einschränkend gilt: Die Studien sind klein, die Techniken sehr unterschiedlich, und Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration bewerten die Evidenzqualität als niedrig bis mittel. Massage ist also kein Mittel gegen Schlafprobleme, aber ein risikoarmer, bindungsfördernder Baustein, den viele Familien als hilfreich erleben. Bei anhaltenden Schlafproblemen gehört die Ursachensuche in die Kinderarztpraxis.

Was bedeutet IAIM-zertifiziert, und muss ich danach suchen?

IAIM steht für die International Association of Infant Massage, den größten international anerkannten Verband für Babymassage-Ausbildung, gegründet 1981 von Vimala McClure. Eine zertifizierte Kursleitung hat eine formale Ausbildung in der IAIM-Griffabfolge absolviert, Erfahrung im Anleiten von Eltern nachgewiesen und ist an einen Ethikkodex gebunden. Ein Kurs umfasst meist vier bis fünf Termine. Nötig ist das nicht: Sie dürfen Ihr eigenes Baby ohne jede Zertifizierung sicher massieren, und in Deutschland bieten auch Hebammen, Familienbildungsstätten und Kinderarztpraxen sehr gute Kurse ohne IAIM-Siegel an. Sinnvoll wird eine spezialisierte Anleitung vor allem bei Frühgeborenen, bei Erkrankungen oder bei anhaltenden Koliken.

Wann sollte ich mein Baby nicht massieren?

Verzichten Sie auf die Massage bei Fieber über 38 °C, bei Erbrechen oder Durchfall und immer dann, wenn Ihr Baby sichtbar krank wirkt. Ebenso tabu sind verletzte, entzündete oder gereizte Hautstellen, ein Neurodermitis-Schub und frische Narben. Nach einer Impfung sparen Sie die Einstichstelle und ihre Umgebung etwa 48 Stunden aus; andere Körperregionen dürfen sanft massiert werden. Massieren Sie nie direkt nach dem Füttern, sondern warten Sie 30 bis 45 Minuten, und niemals gegen den Willen Ihres Babys. Bei Herzfehlern, erhöhter Knochenbrüchigkeit, Gerinnungsstörungen, instabilen neurologischen Erkrankungen oder nach einer Operation holen Sie vorher die Freigabe der Kinderärztin oder des Kinderarztes ein.

Hilft Babymassage bei Blähungen und Koliken?

Sanfte Bauchmassage im Uhrzeigersinn ist eine der bekanntesten und am häufigsten empfohlenen Anwendungen. Einzelne systematische Übersichtsarbeiten fanden kürzere Schreiphasen bei Koliken, bewerten die Evidenz aber wegen kleiner Stichproben als niedrig bis mittel. Viele Hebammen und Kinderkrankenpflegerinnen halten die Bauchmassage trotzdem für nützlich, und angesichts des sehr guten Sicherheitsprofils ist sie ein sinnvoller erster Versuch – zumal die Zeit in jedem Fall der Bindung zugutekommt. Arbeiten Sie am Bauch mit sehr leichtem Druck, nie auf vollen Magen, und hören Sie auf, wenn Ihr Baby unruhig wird. Bei starkem, anhaltendem Schreien oder blutigem Stuhl gehört das Kind untersucht.

Können auch Väter und nicht gebärende Partner massieren?

Ja, und vieles spricht dafür, dass es gerade für sie besonders wertvoll ist. Die Forschungsgruppe um Tiffany Field beschrieb bei Vätern, die ihr Kind einen Monat lang täglich massierten, mehr Zutrauen in die eigene Fürsorge und ein stärkeres Gefühl von Nähe. Die Babymassage ist einer der wenigen frühen Zugänge zum Kind, der weder vom Stillen noch von der körperlichen Erholung nach der Geburt abhängt: eine feste, bildschirmfreie Zeit von Angesicht zu Angesicht. Es gibt keinerlei körperlichen Grund, warum die Person, die massiert, die gebärende Person sein müsste. Viele Familien legen die Abendmassage bewusst in die Hände des zweiten Elternteils.

Brauche ich unbedingt Öl?

Nein, zwingend nötig ist Öl nicht. Es verringert aber die Reibung auf der empfindlichen Babyhaut, sodass die Streichungen weicher gleiten und für beide Seiten angenehmer sind. In manchen Studien wurde bewusst ohne Öl gearbeitet, im Alltag zu Hause verbessert eine kleine Menge das Erlebnis jedoch deutlich. Wenige Tropfen reichen: Die Haut soll gleitfähig sein, nicht fettig oder rutschig. Wenn Ihr Kind Neurodermitis hat, klären Sie in der Kinderarztpraxis, ob die verordnete Basispflege gleichzeitig als Massagemittel dienen kann – das ist oft die einfachste Lösung und spart ein zusätzliches Produkt auf der Haut.

Woran erkenne ich, dass meinem Baby die Massage gefällt?

Zugewandte Signale sind anhaltender Blickkontakt, offene Hände, locker liegende Arme und Beine, ruhige Atmung, weiche Laute und ein entspannter Gesichtsausdruck. Wenn Ihr Baby vor dem Beginn ruhig und wach ist, haben Sie den richtigen Moment erwischt. Abwehrsignale sind das Wegdrehen von Kopf oder Blick, ein durchgestreckter Rücken, gespreizte Finger oder feste Fäustchen, Stirnrunzeln, wiederholtes Gähnen, Schluckauf, eine marmorierte Hautfarbe und natürlich Weinen. Lassen Sie dann die Hände ruhig liegen und warten Sie 20 bis 30 Sekunden. Wendet sich Ihr Baby wieder zu, machen Sie sanfter weiter; bleibt es abweisend, beenden Sie die Sitzung. Genau dieses Lesen der Signale ist der größte Lerneffekt der Babymassage.

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