Stillpositionen: im Liegen, im Sitzen und nach dem Kaiserschnitt
Sieben Stillpositionen im Überblick: im Liegen, nach Kaiserschnitt und bei Milchstau. Mit Anlegetipps aus offiziellen deutschen Quellen.
Kurz gesagt: Es gibt mehrere Stillpositionen, von der klassischen Wiegehaltung über die Rückenhaltung bis zum Stillen im Liegen. Für die erste Zeit nach der Geburt ist die zurückgelehnte Haltung laut kindergesundheit-info.de besonders geeignet; die Kreuzwiegehaltung ist laut UNICEF nützlich, wenn Sie das Stillen gerade lernen, und eine gute Option für kleine Babys. Wichtig ist in jeder Position, dass Ihr Baby tief angelegt ist: Das tiefe Einsaugen des Warzenhofes verhindert meist wunde Brustwarzen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie bei Fragen zu Ihrem Kind immer Ihren Kinderarzt.
Quellen: WHO, CDC, AAP und NHS. Empfehlungen unterscheiden sich je nach Land — für Deutschland siehe die DGKJ und kindergesundheit-info.de.
Beim Anlegen kommt es auf die Haltung Ihres Babys an: Ohr, Schulter und Hüfte bilden eine gerade Linie, der Körper ist nicht verdreht, und Ihr Baby ist Ihnen mit der ganzen Vorderseite zugewandt (laut Netzwerk Gesund ins Leben und der Nationalen Stillkommission).
Es gibt nicht die eine „richtige“ Haltung – viele Eltern wechseln je nach Situation: nach einem Kaiserschnitt, bei Milchstau, nachts oder mit Zwillingen. Unten finden Sie sieben gängige Stillpositionen zum Nachschlagen sowie einen kurzen Wegweiser, welche davon zu Ihrer Situation passen könnte.
Welche Position passt zu Ihrer Situation?
Tippen Sie Ihre Situation an.
Wiegehaltung
Setzen Sie sich bequem aufrecht hin.
Legen Sie Ihr Baby seitlich auf den Arm der Seite, mit der Sie stillen möchten – der Kopf ruht in Ihrer Armbeuge.
Drehen Sie Ihr Baby so, dass Bauch und Gesicht ganz zu Ihnen zeigen.
Stützen Sie Rücken und Po mit Unterarm und Hand.
Gut geeignet bei: Die häufigste Stillposition; laut UNICEF eine angenehme Still- und Kuschelzeit für Sie beide
Bitte beachten: Nach einem Kaiserschnitt kann diese Position unangenehm sein, weil das Baby nahe an der Narbe auf dem Bauch liegt (laut NHS).
Kreuzwiegehaltung
Halten Sie Ihr Baby mit dem Arm, der der Stillseite gegenüberliegt.
Ihre Hand stützt Nacken und oberen Rücken des Babys – nicht das Gesäß wie bei der Wiegehaltung.
Gut geeignet bei: Wenn Sie das Stillen gerade lernen (UNICEF) · Bei Anlegeschwierigkeiten (AAP) · Für kleine Babys (UNICEF)
Rückenhaltung
Rückengriff, Football-Haltung
Das Baby liegt seitlich unter Ihrem Arm, der Bauch an Ihrer Seite.
Mit dem Unterarm stützen Sie den Rücken des Babys.
Mit der Hand umschließen Sie locker Nacken und Kopf.
Die Beine des Babys zeigen nach hinten, ähnlich wie ein Football unter dem Arm gehalten.
Gut geeignet bei: Nach einem Kaiserschnitt: kein Druck auf die Naht (Netzwerk Gesund ins Leben) · Bei großer Brust oder flachen Brustwarzen (Netzwerk Gesund ins Leben) · Bei Milchstau oder wunden Brustwarzen (Netzwerk Gesund ins Leben) · Für Zwillinge, ein Baby pro Seite (NHS, AAP) · Für frühgeborene Babys (AAP)
Stillen im Liegen
Seitliches Stillen im Liegen, Seitenlage
Legen Sie sich auf die Seite.
Ihr Baby liegt ebenfalls auf der Seite, Bauch an Bauch zu Ihnen gedreht.
Brustwarze und Mund des Babys sollten auf einer Höhe sein – durch leichtes Drehen des Oberkörpers lässt sich die Höhe der Brust anpassen.
Eine kleine Rolle im Rücken des Babys gibt zusätzlichen Halt.
Gut geeignet bei: Zum Ausruhen oder für nächtliches Stillen · Wenn der Rücken Entlastung braucht · Nach einem Kaiserschnitt oft angenehm
Bitte beachten: Gerade nachts schläft Ihr Baby in der Seitenlage durch das Kuscheln leicht ein (kindergesundheit-info.de). Wenn Sie selbst sehr müde sind: Laut NHS erhöht es das Risiko für den plötzlichen Kindstod deutlich, wenn Sie mit Ihrem Baby auf dem Sofa oder in einem Sessel einschlafen.
Zurückgelehnte Stillhaltung
Biological Nurturing
Lehnen Sie sich bequem zurück, etwa auf dem Sofa oder im Bett – nicht flach, sondern leicht angelehnt.
Legen Sie Ihr Baby Bauch auf Bauch auf sich.
Achten Sie darauf, dass der Hals Ihres Babys nicht zur Seite verdreht ist.
Gut geeignet bei: Besonders geeignet für die erste Zeit nach der Geburt · Nach einem Kaiserschnitt – schont die Narbe vor Tritten · Bei Brustwarzenproblemen oft schmerzärmer · Bei sehr starkem Milchspendereflex, weil die Schwerkraft den Fluss bremst
Bitte beachten: Diese Position wird oft im Bett oder auf dem Sofa eingenommen. Schlafen Sie dabei nicht mit Ihrem Baby auf dem Sofa oder in einem Sessel ein – das erhöht laut NHS das Risiko für den plötzlichen Kindstod deutlich.
Hoppe-Reiter-Sitz
Ihr Baby sitzt aufrecht rittlings auf Ihrem Oberschenkel, mit Blick zur Brust.
Diese Position wird oft bei größeren Kindern genutzt (laut Netzwerk Gesund ins Leben).
Stützen Sie Ihr Baby gut mit der Hand oder einem Stillkissen im Rücken.
Gut geeignet bei: Bei Reflux oder häufigem Spucken: manche Babys kommen aufrecht besser zurecht als im Liegen (Netzwerk Gesund ins Leben) · Für größere Kinder (Netzwerk Gesund ins Leben)
Bitte beachten: Babys müssen in dieser Position sehr gut gestützt werden, mit der Hand oder einem Stillkissen im Rücken (laut Netzwerk Gesund ins Leben).
Fußballer-Griff
Beide Babys liegen im Rückengriff – je eines unter jedem Arm, die Füße zeigen nach hinten.
Gut geeignet bei: Laut AFS eine klassische Zwillings-Tandemposition, die sehr einfach funktioniert · Beim gleichzeitigen Stillen kann das saugstärkere Baby das saugschwächere unterstützen (AFS)
Der Mund umschließt nicht nur die Brustwarze, sondern auch einen großen Teil des Warzenhofs.
Ohr, Schulter und Hüfte Ihres Babys bilden eine gerade Linie, der Körper ist nicht verdreht.
Ihr Baby ist Ihnen mit der ganzen Vorderseite des Körpers zugewandt.
Das tiefe Erfassen des Warzenhofs verhindert meist wunde Brustwarzen.
Bekommt mein Baby genug Milch?
Ihr Baby ist insgesamt lebhaft und aufmerksam.
Nach dem Stillen meist zufrieden – auch satte Babys können mal unruhig sein.
Wird häufig gestillt: acht bis zwölf Mal in 24 Stunden oder öfter.
Sechs bis acht nasse Windeln in 24 Stunden (kindergesundheit-info.de; Meldung 2021: mindestens 6) beziehungsweise 5 oder mehr am Tag nach Beginn der reichlichen Milchbildung (Gesund ins Leben), mit hellem, dünnem Urin.
Regelmäßiger Stuhlgang.
Das Baby wächst und gedeiht; das Geburtsgewicht ist spätestens nach zehn Tagen wieder erreicht.
Wann Sie sich Unterstützung holen sollten
Bei anhaltenden Schmerzen oder einer wunden, verletzten Brustwarze: Warten Sie nicht ab, sondern holen Sie sich direkt Hilfe.
Bei Fieber oder grippeähnlichen Symptomen im Zusammenhang mit Milchstau: sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Bessert sich eine Mastitis nach 24 Stunden nicht, oder geht es Ihnen zunehmend schlechter: suchen Sie ärztliche Hilfe.
Bei Sorge um zu wenig Milch: Lassen Sie das Anlegen zuerst von einer Hebamme oder einer qualifizierten Stillberaterin überprüfen.
AFS-Stillberatungs-Hotline (Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Bundesverband e.V.): 0228 92 95 99 99 – täglich erreichbar, zum Ortstarif bzw. mobil max. 0,42 €/Min.
Häufige Fragen
Welche Stillposition eignet sich am besten für ein Neugeborenes?
Für die erste Zeit nach der Geburt ist die zurückgelehnte Haltung laut kindergesundheit-info.de besonders geeignet. Die Kreuzwiegehaltung ist laut UNICEF nützlich, wenn Sie das Stillen gerade lernen, und eine gute Option für kleine Babys. Es gibt nicht die eine richtige Position – probieren Sie, was für Sie beide angenehm ist.
Wie stille ich im Liegen?
Legen Sie sich auf die Seite, Ihr Baby ebenfalls, Bauch an Bauch zu Ihnen gedreht. Brustwarze und Mund sollten auf einer Höhe sein; durch leichtes Drehen des Oberkörpers lässt sich die Höhe anpassen (laut kindergesundheit-info.de). Diese Position bietet sich zum Ausruhen oder nachts an (laut Netzwerk Gesund ins Leben) – schlafen Sie dabei aber nicht mit Ihrem Baby auf dem Sofa oder in einem Sessel ein, das erhöht laut NHS das Risiko für den plötzlichen Kindstod deutlich.
Welche Stillposition hilft nach einem Kaiserschnitt?
Viele Frauen empfinden den Rückengriff nach einem Kaiserschnitt als angenehm, weil das Baby nicht auf die Naht drückt. Auch die zurückgelehnte Haltung funktioniert gut, weil sich so steuern lässt, dass das Baby nicht versehentlich gegen die Narbe tritt (laut Netzwerk Gesund ins Leben).
Woran erkenne ich ein gutes Anlegen beim Stillen?
Der Mund Ihres Babys ist weit geöffnet und umschließt nicht nur die Brustwarze, sondern auch einen großen Teil des Warzenhofs – das tiefe Erfassen verhindert meist wunde Brustwarzen (laut kindergesundheit-info.de). Außerdem bilden Ohr, Schulter und Hüfte eine gerade Linie, der Körper ist nicht verdreht (laut Netzwerk Gesund ins Leben).
Woran erkenne ich, dass mein Baby genug Milch bekommt, und muss Stillen wehtun?
Ihr Baby bekommt wahrscheinlich genug, wenn es lebhaft und aufmerksam ist, häufig gestillt wird (acht bis zwölf Mal in 24 Stunden oder öfter), sechs bis acht nasse Windeln in 24 Stunden hat und regelmäßig Stuhlgang (laut kindergesundheit-info.de; ihre Meldung „Zu wenig Milch fürs Baby?“ von 2021 nennt mindestens 6, das Netzwerk Gesund ins Leben 5 oder mehr nasse Windeln am Tag nach Beginn der reichlichen Milchbildung). Stillen sollte nicht wehtun: Anhaltende Schmerzen deuten meist darauf hin, dass die Brustwarze beim Saugen verletzt wird – holen Sie sich in diesem Fall direkt Hilfe (laut kindergesundheit-info.de).
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